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Automaten in Japan sind kultur

Japan ist ein Land der Gegensätze. Zum einen scheint es in sich zu ruhen, auf der anderen Seite ist es laut, extrovertiert. Die Menschen sind zum einen spirituell sehr tief verankert, auf der anderen Seite knallharte Geschäftsleute. Sie lieben das Laute, sind selbst aber eher stille Wasser. Um Japan zu verstehen, braucht es mehr als ein paar Tage in den großen Touristenmetropolen, deshalb mache ich mir gar keine Illusionen: Verstehen, was da wirklich passiert, werde ich in naher Zukunft sicher nicht. In Japan herrscht eine Kultur, die sehr gern unter sich bleibt, das macht sich auch in der Verteilung der Bevölkerungsgruppen sichtbar. Ganze 98,1% der Bevölkerung sind Japaner, es gibt nur 0,5% Koreaner und 0,4% Chinesen. Der gesamte Rest bildet gerade mal ein Prozent ab.  Da wundert man sich kaum darüber, dass die japanische Kultur sich eher wenig durch externe Einflüsse hat beeinflussen lassen. Als offener, westlicher Mensch kann das schon erst einmal ein Kulturschock sein. Lautes grüßen und mit der Hand auf die Schulter klopfen? Besser nicht. Á la „Hey, how u doin‘?“ das Gespräch anfangen? Peinliche Stille. Abends nicht mit dem Chef auf Sake-Tour? Ab morgen auf Jobsuche. 

Kommunikation und Japan – eine komplizierte Beziehung

Überhaupt fühlt es sich so an, als ob man sehr gerne nicht kommuniziert. Das hat sich durch den Einzug Der IT-Industrie noch massiv verstärkt. Glaubt man allerdings, Japan sei insgesamt ein absolutes High-Tech Land, wird man sich sehr wundern. Während wir in Deutschland eine Smartphonedurchdringung (also die Prozentzahl der Menschen mit Smartphone) von 78,8% haben und damit weltweit auf Platz 4 stehen, ist Japan mit 55,3% nur auf einem mittelmäßigen Platz 18 zu finden und damit für ein entwickeltes Land eher Schlusslicht. Dafür gibt es hier sehr schnelles Internet. Wie ich schon sagte – das Land der Gegensätze.

Man bekommt das Gefühl, Japan steht in den Bereichen technisch vorne, bei denen es um Kommunikationsminimierung bzw. -vermeidung geht.

Schnelles Internet für Videos und Spiele – Ja. Smartphones? – Nein. Eins zu Null für meine Theorie.

Japan ist die Heimat der Computerspieleindustrie. Sonys Playstation, die gute alte SEGA, Nintendo und viele Spieleentwickler wie beispielsweise Capcom kommen aus Japan, es macht den Anschein, die Spieleindustrie sei in Japan erst entstanden. Auf der anderen Seite steht die Geburtenrate: Sie sinkt so massiv, dass Japan bis 2060 circa 30% seiner Bevölkerung verlieren wird. Diese Verbindung geht sogar so weit, dass eine statistische Korrelation zwischen dem Spielen von Dating-Simulationsspielen und der Geburtenrate festgestellt wurde.

Bedürfnis nach Nähe und Liebe? – Ja. Echtes Dating? – Nein. Zwei zu Null für meine Theorie. 

Auch als Tourist kommt man um diese „Kommunikationsblockaden“ nicht herum. In vielen (nicht allen!), gerade traditionellen, Restaurants gibt es keine Bedienungen, sondern einen Automaten, in den man Geld schmeißen muss, um ein Ticket mit seiner Bestellung zu bekommen. Dieses wird wortlos dem Koch überreicht, bevor man sich an eine Art Bar setzt, die allerdings so tief liegt, dass alle Gäste gegen eine Wand schauen. Wehe dem, der nach links oder rechts schaut (oft sind sogar Läden zu sehen, die an der Fensterseite ihres Restaurants regelrecht einen schwarzen Streifen auf Augenhöhe vor das Fenster kleben, um die Sicht nach draußen zu verhindern).

Essen am Automaten kaufen? Ja. Mit Karte bezahlen? – Nö. (Was seltsam ist, denn laut Statistiken hat Japan eine der höchsten Durchdringungsraten für Kredit- und Debitkarten). Drei zu Null. 

Japan ist also eine Kultur der Gegensätze. Der „Corporate Salaryman“ – so heißen die Scharen an Mitarbeitern großer Firmen im Anzug – geht still und leise von morgens bis spät abends arbeiten, währenddessen redet er nicht einmal beim Essen. Nach Feierabend lässt er dann seinen über den Tag angesammelten Frust raus, haut sich in der Bar 15 Sake rein und verbringt den Rest des Abends vor dem PC beim Zocken. Ob ich generalisiere? Ja, absolut, und die japanische Gesellschaft ist um einiges komplizierter und vielschichtiger als gerade dargestellt. Der Punkt, dass Japan allerdings in den letzten Jahren etwas zu viel in Computerspiele und die Optimierung von Prozessen auf Kosten der zwischenmenschlichen Kommunikation investiert hat, lässt sich allerdings nicht von der Hand weisen. Das bekräftigt auch das sogenannte „Hikikomori“-Phänomen, bei dem geschätzte 0,5 bis 1,5 Millionen junge Erwachsene zwischen 15 und 40 Jahren in vollkommener sozialer Isolation leben und das Haus seit Jahren bis Jahrzehnten nicht mehr verlassen haben. 

Die nächste Generation will’s richten

Trotz allem ist in Japan eine Art Umschwung zu spüren, wenn er auch vielleicht noch nicht zu messen ist. Junge Japaner*innen haben zwar weiterhin einen Hang zum Spielen, wollen aber – wie alle Kinder dieser Welt – auf keinen Fall so sein wie die Eltern. Das resultiert beispielsweise in absolut verrückten, bunten Kleidungsstilen, die individueller und bunter nicht sein könnten im Kontrast zu den grauen Anzügen der Eltern. Zudem geht man raus, hat Spaß und lacht, ist dabei sogar laut – traditionell fast eine Unsitte. Diese Generation macht den Eindruck, als ob sie es satt hat, ausschließlich Regeln zu folgen, einen vorgegebenen Weg zu gehen und sich den Mund verbieten zu lassen. Wenn alles gut geht, prägt diese Generation, geleitet von der Digitalisierung, durch die sie auch viele Einflüsse von außen mitbekommt, das Japan der Zukunft als ein kommunikatives Land, das sich auch in Zukunft prächtig entwickelt und dabei aber hoffentlich auch seinen kulturellen Ursprung nicht vergisst. Denn kommuniziert man einmal mit einem Japaner, wird sehr schnell klar, dass dieses Volk unglaublich freundlich, herzlich und zuvorkommend ist.

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