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Essen in IconSiam Bangkok

Müllberge türmen sich in entlegenen Ecken und Laternenpfeilern, in tiefen Löchern auf den unebenen, staubigen Straßen sammeln sich stinkende Abwasser- und Urinlachen, dünne Rinnsale einer undefinierbaren, trüben Brühe bahnen sich ihren Weg durch die rissigen Gassen der Stadt. Mit angehaltener Luft versuchen sowohl Einheimische als auch Touristen, ihre von Schweiß und Hitze feucht-klebrigen Körper von A nach B zu schleppen.

Vor wenigen Jahren noch war das eine Momentaufnahme, die man in Bangkok alle paar Meter hätte festhalten können. Heute stellen derartige Szenarien Ausnahmen dar, die man so höchstens noch in äußeren, suburbanen Vierteln beobachten kann.

Eine Frau sitzt in einem Boot

Schön anzusehen: Traditionell gekleidete Thais, hier bei der Arbeit auf einem Food-Market

Im Zentrum der Stadt, rund um den Chao Phraya Fluss, weichen Schmutz und Unordnung luxuriösen Einkaufszentren, individuellen Cafés und authentischem Streetfood, letzteres findet man mittlerweile, der Hygiene halber, sogar ordentlich und sauber aufbereitet in vielen Shopping-Malls – zu den gleichen Preisen wie vorher. War man vor etwa fünf Jahren in Bangkok und hatte den Eindruck, die Stadt sei mit der nötigen räumlichen Distanz deutlich besser zu genießen als im Zentrum des Geschehens, dann sollte man der Hauptstadt unbedingt noch eine Chance geben.

Kokos-Dessert in Bangkok

Für nur wenige Cents bekommt man sogar in Einkaufszentren leckere Köstlichkeiten

Luft- und Umweltverschmutzung sind in Bangkok normal

Noch im Februar 2019 hatte Bangkok speziell, aber auch der Norden Thailands wie die Gegend um Chiang Mai, mit drastischer Luftverunreinigung zu kämpfen. Anwohner in betroffenen Gebieten wurden gebeten, in ihren Häusern zu bleiben, um den teils toxischen Dunstschleiern auszuweichen. Als Auslöser für die häufigen „schlechten Tage“ die Umweltbelastung betreffend, nennen die Regierung und deren Vertreter rund 8.000 Fahrzeuge, die enorme Mengen rußiger Auspuffabgase ausstoßen. Man reagierte sofort; beschlagnahmte Fahrzeuge und erhängte Fahrverbote. Und das merkt man: Die Anzahl an Fahrzeugen, welche die Bestimmung zur Abgasregelung verletzen, seien von etwa 500-600 auf „nur“ 400 am Tag gesunken, so ein Sprecher der örtlichen Polizei in Bangkok.

Die oft heftige Luftverschmutzung ist leider keine Seltenheit. Thailand, insbesondere die fahrzeugüberladene Hauptstadt Bangkok, hat seit vielen Jahren mit saisonaler Luftverschmutzung zu kämpfen. Umweltschützer und Anwohner haben buchstäblich die Nase voll und bestehen auf ein Reinluft-Gesetz, um endlich bedenkenlos frische Luft atmen zu können und Gesundheitsrisiken, die von mangelhafter  Luftqualität zeugen, zu minimieren – ein Privileg, das jedem Menschen bedingungslos zustehen sollte.

Die gleiche Stadt, ein anderer Ort, Menschen überqueren in einem Fährboot den Fluss. Ein kleiner Thai-Junge wirft seine leere Wasserflasche aus Plastik achtlos in die trübe, bräunliche Brühe. Es kümmert ihn nicht – warum auch, ist das Gewässer doch sowieso schon voll von Müll. Man möchte eigentlich gar nicht wissen, wie viele Meter hoch sich am Grund des Flusses der Abfall türmt.

Auch wenn Umweltschützer noch nicht ganz dort sind, wo sie hinmöchten, hat sich in Bangkok schon einiges getan. Nicht nur in der Luft findet sich Verunreinigung, sondern auch zu Land und Wasser. Den Anfang machen und mit gutem Beispiel vorangehen möchte trotzdem niemand, doch genau das ist der falsche Ansatz. Glücklicherweise sieht das auch die Regierung so. In der Abteilung für Schadstoffbekämpfung des thailändischen Ministeriums für Natürliche Ressourcen und Umweltschutz existiert bereits der Entwurf eines Plans für Abfallminimierung.

armer Mann sitzt vor dem zugemüllten Boden

Auch die weniger schönen Seiten der Stadt gibt es noch – doch Anblicke wie dieser werden immer seltener.

Aber woher kommt der ganze Müll, der Bangkok einst zu ersticken drohte? Wenig überraschend stellen Plastik und andere Verpackungsprodukte das größte Problem dar – in Thailand machen diese Abfallstoffe ganze 17% aus, gefolgt von Papier (8%), Glasabfall (3%) und, mit etwa 2%, Metallen (Quelle).

Die Müllaufbereitung möchte man in der Kommune mit Kompostierung und besserer Abfallwirtschaft zum Laufen bringen, industrieseitig setzt man auf Rücknameprogramme und Pfandsysteme. Stück für Stück möchte man so zu einer recyclingorientierten Gesellschaft heranwachsen und das Mehrwegsystem auch in Thailand etablieren, mit Bangkok als Vorreiter.

Der kleine Junge, der seine Plastikflasche auf der Fähre achtlos entsorgt hat, beweist: Es gibt noch einige Hände voll zu tun. Trotz erster Gesetzesentwürfe und viel gutem Willen ist vor allem eines notwendig, um das Projekt “Abfallbekämpfung” erfolgreich zu machen: Bildung. Woher soll ein Kind seine Vorbilder nehmen, wirft doch jeder seinen Abfall ohne nachzudenken über Board? Mit Trainings und Bildung, Anleitungen zum Thema sowie abfallspezifischen Müllcontainern (nach dem gleichen Konzept wie in Europa die Mülltrennung), möchte die Regierung ihre Bürger für das wichtige Thema sensibilisieren.

Die ersten Erfolge im Bereich Umweltschutz sind bereits sichtbar

Dass die Pläne für die Müllreduktion bereits auf Hochtouren laufen und mancherorts bereits umgesetzt werden, merkt man, vor allem in der Hauptstadt Bangkok. Auch die Luftqualität hat sich nach ersten Maßnahmen zum Besseren gewendet – dennoch gibt es eine Menge zu tun, bis eine geregelte Abfallwirtschaft und die Nutzung umweltfreundlicher(er) Fahrzeuge zur Tagesroutine werden. Immer noch blasen tausende Taxen, Busse, Roller, Autos und vor allem Wasserfahrzeuge, die täglich auf den Landes- und Wasserstraßen der Großstadt verkehren, Unmengen an Schadstoffen in die Luft und sorgen für jede Menge Lärm. Doch immer mehr Menschen greifen auf das mittlerweile sehr gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz zurück – neben dem seit nunmehr zwanzig Jahre existierenden Skytrain-Netz, das auf zwei Linien etwa 50 Kilometer Strecke abdeckt, wird auch das unterirdische Bahn-Netz, erstmalig etabliert im Jahr 2004, weiter ausgearbeitet. In Zukunft soll man neben Fähre, Skytrain und Brücke auch die U-Bahn nutzen können, um den Fluss zu überqueren und die Menschenmassen auf fünf statt der aktuell existenten zwei Metro-Linien zu verteilen.

Frau mit Kind durchquert einen Park mit dem Fahrrad

Eine Frau durchquert einen hübschen, begrünten Park mit ihrem Kind auf dem Fahrrad. Mittlerweile kann man die Stadt bedenkenlos genießen

Bangkok atmet auf – langsam, aber sicher. Man hat der schlechten Luft und zugemüllten Nebenstraßen den Kampf angesagt. Mit dem Taxi vom internationalen Flughafen Suvarnabhumi kommend, steuert man heute auf eine erstaunlich moderne, funkelnde und immer weiter wachsende Skyline zu, deren teilweise erst halbfertigen Gebäudekomplexe auf die enorme Arbeitskraft hinweisen, die in die Stadt investiert wird. Die Architektur ist kreativ und exzentrisch, man gibt sich Mühe, aufzufallen und seinem Ruf als eine der vibrierendsten, spannendsten und angesagtesten Großstädte gerecht zu werden. Es sieht aufgeräumt aus in Bangkok. Keine Müllansammlungen mehr an jeder Ecke, mehr Struktur, weniger Chaos. Mittlerweile kann man als Besucher selbst entscheiden: Möchte ich das ursprüngliche, authentische Bangkok inklusive auf-den-Boden-spucken, adidas-Fakes, rostigen Streetfood-Ständen und dem Gefühl, ein bisschen über den Tisch gezogen worden zu sein – oder zieht es mich eher in die moderne, westlich geprägte Ecke der thailändischen Hauptstadt, mit Hochglanz-Einkaufszentren, Barista-Kaffee in Premium-Qualität, international aufstrebenden Start-Ups und originaler Markenkleidung? Bangkok hat mittlerweile alles – und ist damit vielleicht sogar die einzige Großstadt mit diesem ganz besonderen Flair aus Tradition und Moderne. Singapur, New York, London und Co. können sich zumindest auf etwas gefasst machen, denn Bangkok wird im Laufe der nächsten Jahre ganz sicher zur Konkurrenz und kann, was die geniale Küche, Shopping-Erlebnisse und Lifestyle-Möglichkeiten angeht, spielend leicht mithalten.

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