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Koh Lanta roter Pool

Weicher, karamellfarbener Sand verteilt sich auf zahllose Strände rund um die ruhige Insel im Süden Thailands. Meerwasser in den unterschiedlichsten Azur-, Türkis- und Aquamarintönen umspült den Strand in sanften Wogen oder bäumt sich zu hohen Wellen auf, die sich geräuschvoll an den Steilklippen brechen. Mangroven, Regenwälder, felsige Kalksteinhänge und Korallenriffe säumen die üppige Landschaft und das Meer. Menschen winken freundlich lachend aus ihren von der salzigen Luft zerfressenen Holzhäuschen – so fühlt es sich an, an einem Ort wirklich willkommen zu sein.

Mann geht im Meer baden

Einer der schönsten Strände Koh Lantas: Am “Bamboo Beach” herrscht meist angenehme Ruhe und die Kulisse ist herrlich.

Thailands Süden – ruhig, schön und natürlich

Die Rede ist von Koh Lanta; eine in der Andamansee gelegene Insel, die sich über knapp 340 Quadratkilometer erstreckt. Offiziell gehört das Distrikt zur Provinz Krabi, ist aber durch wenige hundert Meter Meerwasser vom Festland getrennt und über Personen- oder Autofähren in nur kurzer Zeit zu erreichen. Etwa zwölf größere Strände zählt die Insel, jeder einzelne davon überzeugt mit individuellem Charme und einer ganz besonderen Atmosphäre. Zwar bleibt Koh Lanta das ganze Jahr über vergleichsweise verschont von Massentourismus und damit verbundenem Gedränge an Stränden und Restaurants, möchte man die Insel jedoch weitestgehend ganz für sich alleine genießen, empfiehlt sich eine Reise Ende April oder Anfang Mai.

Um diese Zeit verebben die letzten Touristenströme der Hauptsaison, die sich von Oktober bis April zieht, das Wetter ist aber noch immer äußerst angenehm. Mit dem späten Mai setzt auch die Regenzeit ein, deren Name jedoch irreführend ist: Statt Bindfäden regnet es um diese Zeit lediglich phasenweise für wenige Stunden am Tag – der Grund, warum man von Mai bis Oktober auch von der „grünen Saison“ spricht. Die regelmäßigen, stoßweisen Regenschauer sorgen dafür, dass der Regenwald und die ihn umgebende Landschaft in den sattesten Grüntönen schillert. Pflanzen und Blumen öffnen ihre Blüten, die nach einem Guss in besonders kräftigen Farben leuchten. 

Ein Stück F.C. Antwerpen auf Koh Lanta: Im Gespräch mit Shana Houben

Ein weiterer Punkt, der für die Insel spricht: Die verhältnismäßig günstigen Preise für Kost und Logis. Während Touristenlieblinge wie Koh Phi Phi oder Phuket zwar wunderschöne Resorts beherbergen, die zum Teil jedoch horrende Preise verlangen, findet man vergleichbare Traumresorts auf Koh Lanta zu gemäßigten Preisen. Wie überall auf der Welt gilt natürlich auch hier: Man kann immer mehr – oder weniger – bezahlen. Ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis bietet das im südlichen Teil der Insel gelegene „The Houben“. Das familienbetriebene Hotel überzeugt durch seine ruhige, idyllische Lage mit atemberaubendem Blick auf das Meer, das mit dem Horizont regelrecht zu verschmelzen scheint. 

Das "The Houben" vor azurblauem Himmel

Auch mit dem Rücken zum Meer ist das Hotel “The Houben” eine echte Augenweide.

Das Einzige, was penible Kritiker eventuell bemängeln könnten, ist der fehlende direkte Strandzugang. Übrigens ist das auch der Grund, warum das Hotel „nur“ viereinhalb Sterne bekam, verrät uns Shana Houben, Tochter des belgischen Inhabers Walter Houben und Leiterin des individuellen Inselresorts. Vor elf Jahren betraten die Houbens Koh Lanta das erste Mal, wo Houben Senior seine jetzige Frau kennenlernte. „Das hier war früher alles Dschungel.“ Die Worte begleiten Shanas ausschweifende Handbewegung, die das gesamte Areal umfasst. „Alles – bis auf den Fleck, wo sich heute der Jaccuzi befindet. Dort stand ein völlig heruntergekommenes Skelett einer Hütte, an die ein Schild angebracht war: For Sale.“ Zunächst war ein kleines Bed and Breakfast im Luxusstil geplant, doch die Pläne uferten schnell aus, so Shana weiter. „Mein Vater ist verrückt. Das Land war sehr groß und er wollte nichts davon vergeuden – nun haben wir hier ein großes Hotel mit 15 Zimmern, einem Pool und ein Restaurant stehen“, lacht sie. 

“Meine Freizeit verbringe ich am Liebsten mit meiner Frau Sunny“

Trotz des Enthusiasmus und viel Liebe zum Detail, die Vater Walter in das Familienprojekt steckte, leitet Tochter Shana das Resort. „Mein Vater fragte mich, ob ich das gerne machen würde. Ich bekam ein Jahr Zeit, um mich zu entscheiden und merkte: das ist eine Chance, die ich ergreifen muss. Mit meiner damaligen Freundin zuhause in Belgien lief es nicht mehr so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Also bejahte ich und wagte den Neuanfang.“ 

Mit nur 19 Jahren übernahm sie, gemeinsam mit ihrer Stiefmutter, nicht nur die Verantwortung für ein Hotel, sondern auch für dessen Mitarbeiter und Besucher. „Entweder meine Stiefmutter oder ich – eine von uns beiden muss immer hier sein“, so die junge Hotelführerin. „Ich liebe die Zeit im Hotel, aber manchmal freue ich mich schon, auch ein bisschen Zeit mit meiner Frau Sunny zu verbringen“, sagt sie lächelnd. Auch Sunny arbeitet für „The Houben“, das aber erst seit wenigen Jahren. Vorher arbeitete Shanas thailändische Frau in einem Fünf-Sterne-Resort direkt in der Nähe, entschied sich dann aber aus nachvollziehbaren Gründen zur Mitarbeit im Hotel ihrer Wahl-Familie.

Katze auf dem Boden

Neben Affen oder Grillen, die als Urwaldbewohner ab und zu vorbeischauen, gibt es hier auch jede Menge Katzen, die vom Hotelpersonal liebevoll umsorgt werden.

Neben dem außergewöhnlichen Engagement des Teams – die Mitarbeiter sind quasi omnipräsent: kaum formuliert man in Gedanken einen Wunsch, ist schon jemand zur Stelle, um ihn zu erfüllen – fällt vor allem Eines auf: Das rote Muster, das sich durch das Hotel-Design zieht. Das sind nicht nur einzelne Elemente im Interieur, Logo oder dem Restaurant (man beachte auch den Namen des Letzteren: „Red Alert“), auch der Swimming-Pool präsentiert sich in einem kräftigen Rot statt des üblichen Pool-Blau. Warum aber genau diese Farbe? Wir vermuten: Damit möchte man instagrambegeisterte Kunden anlocken, die fleißig posten und so online die Werbetrommel rühren. Wäre denkbar, doch wir liegen auf dem Holzweg. „Die Antwort ist schlicht und einfach Fußball“, grinst Shana. „Der F.C. Antwerpen ist die Lieblingsmannschaft meines Vaters, und die tragen weiß-rote Trikots…“

Ein sehr persönlicher Grund, der den angenehmen Nebeneffekt hat, durch das „ein bisschen anders“-sein eben für Neugier zu sorgen und den ein oder anderen Besucher doch dazu zu bringen, den außergewöhnlichen Pool auf Social Media zu posten. Schaden kann es nicht.

„Die Lieblingsmannschaft meines Dads trägt weiß-rote Trikots - darum der rote Pool“

Im „The Houben“ auf Koh Lanta vergeht die Zeit wie im Flug. Die optimale Tourist-Restaurant-Ratio sorgt dafür, dass sich alles menschliche schön gleichmäßig auf die umliegenden Strände verteilt, und sich alles essbare durch exzellente Qualität statt Massenware auszeichnet. Ruhe und Entspannung sollten hier ganz oben auf deiner Prioritätenliste stehen.

Aus dem Fenster des Vans, der uns zurück aufs Festland transportieren wird, blickend, schwingt schon etwas Wehmut mit, noch bevor wir die Insel verlassen haben. Vorbei an sumpfigen Mangrovenfeldern, baufälligen Häuschen und Restaurants, aus denen heraus der Duft nach gebratenem Fisch und Gemüse durch die geöffneten Fenster des Minibusses dringt, gelangen wir an die Autofähre, wo man in hektischer Routine die letzten Schritte unseres Rücktransports organisiert.

Dabei zusehend, wie die Insel langsam in den Hintergrund rückt, manifestiert sich ein letzter schöner Gedanke: Es ist ja nicht aus der Welt.

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