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Kyotos Tempel im Herbst

Es gibt zwei optimale Zeitpunkte, um Japan zu bereisen: Zur Kirschblüte, oder im Herbst. Selbstverständlich ist Japan das ganze Jahr über ein spannendes und schönes Reiseziel, doch im bunten Herbstgewand oder in einem Meer aus Rosa ist das Land ein wahrgewordener Traum. Den Höhepunkt des Frühlings haben wir bei unserem ersten Besuch vor zweieinhalb Jahren knapp verpasst, dafür haben wir’s diesmal aus versehen richtig gemacht und werden von den schönsten Herbsttönen umgeben. Nachdem ich den gestrigen Tag weitestgehend mit Jammern verbracht habe (“Mit tut der Hals weh!”, “Ich glaub’ ich hab’ Fieber”, “Fühl mal! Warm, oder?”, “Ich bin krank”), ging es heute zum ersten Mal so richtig raus in die engen japanischen Gässchen   – ein Erlebnis wie im Bilderbuch. Durch enge Gässchen mit versteckten Tempeln huschen in traditionelle Gewänder gekleidete Japanerinnen und Japaner, unterwegs zum Gebet mit Räucherstäbchen schwenkend oder schlicht in der herbstlichen Sonne flanierend. Dass etwa 90% der “traditionell gekleideten” Damen und Herren Touristen waren, die sich für teures Geld für einen Tag lang Spiritualität und Erleuchtung kauften, ignorierten wir gekonnt. Obwohl wir zugegebenermaßen schon ein bisschen enttäuscht waren, als wir nach dem ersten Kimono-Verleih (“Original Kimono 5.000 Yen! 2nd Floor!” – 5.000 Yen sind etwas über 40 Euro) auch einen zweiten und dritten entdeckt hatten, bis die bunten Gewänder schließlich die ganze Straße säumten. Egal, dachten wir, immerhin fühlt es sich für uns original an, durch die verzauberten Straßen und Gässchen der Stadt zu wandeln.

Kyotos enge Gässchen, in denen man "falsche" und "echte" Geishas antrifft.

Kyotos enge Gässchen, in denen man “falsche” und “echte” Geishas antrifft.

Unser absolutes Highlight heute: Der Besuch des Kodaiji Tempels, die Empfehlung einer Praktikantin in unserem aktuellen Hotel in Kyoto. Neben einer umwerfenden Tempelanlage, die vom Massentourismus noch einigermaßen verschont wird, gibt es hier einen kleinen tempeleigenen Bambuswald, den wir ebenfalls beinahe für uns allein hatten. Den “großen Bruder”, genannt Arashiyama Bamboo Forest, planen wir morgen zu besuchen – allerdings hat man uns bereits geraten, so früh wie möglich aufzutauchen, um die Touristen-Busse zu vermeiden.. naja, klingt mäßig spirituell. Mal sehen, wozu wir uns letztendlich durchringen lassen, zumal ich zugeben muss, dass aufstehen vor Sonnenaufgang (also um 5:30) für mich wenig attraktiv klingt.

Buddha-Statue, zu sehen von einer kleinen Anhöhe in der Kodaiji-Tempelanlage aus.

Buddha-Statue, zu sehen von einer kleinen Anhöhe in der Kodaiji-Tempelanlage aus.

Im Gebetsraum der Tempelanlage gilt – übrigens für alle Tempel Japans – ein striktes Schuh-Verbot. Das ist nicht nur ein Zeichen des Respekts, sondern hält gleichzeitig die Anlage sauber. Generell ist die Stadt wahnsinnig sauber; auf den Straßen, in den Tempeln und Gebäuden, sogar in den Touristen-Einkaufsmeilen herrscht penible Ordnung und ein ungewöhnlich hoher Grad an Sauberkeit, den wir so beinahe nur aus Singapur kennen. Im Kodaiji-Tempel etwa beobachteten wir ungläubig, wie mehrere Gärtner Gras aus dem Moos zupften, um das Bild zu wahren.

Ab morgen heißt es tatsächlich schon Endspurt, da sich unser viertägiger Aufenthalt in Kyoto bereits dem Ende nähert. Wir hoffen, so viele Tempel und Schreine (und vielleicht sogar die Mainstream-Ausgabe des Bambuswaldes) in unseren Tag zu zwängen, wie möglich und stressfrei machbar. Kyoto-Tempelmarathon, wir kommen!

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