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Tee bei Krankheit, auf der Reise und überall auf der Welt, wirkt wunder

Es ist mir wirklich sehr peinlich, aber ich klinge, als hätte ich eine schlimme Männergrippe. “Marceeeel, kannst du mir das vielleicht kurz aufheben? Ich bin so schwach!”, stöhne ich und lasse mich theatralisch auf die Couch fallen. Es geht um einen Fetzen Teebeutel, dem ich wie in Trance beim auf den Boden segeln zugesehen habe und der nun anklagend zu meinen Füßen liegt. Marcel verdreht die Augen. “Es liegt direkt vor dir. Stell dich nicht so an”, sagt er zu recht und ich schniefe,  bücke mich aber dennoch demonstrativ ächzend gen Boden und hebe das Papier auf. Wann bin ich eigentlich so eine Heulsuse geworden? Früher war ich die Person, die bei kleinen Kränkeleien alles mit einem abwinkenden “Ach, halb so wild. Vergeht wieder, bin ja nicht aus Zucker” abgetan hat. Auch heute bin ich noch nicht aus Zucker, habe aber irgendwie Lust, mich in Selbstmitleid zu suhlen und umsorgt zu werden. Völlig verkehrte Herangehensweise, also stand ich heute morgen früh auf, setzte Teewasser auf und dachte: Warum eigentlich nicht mal einen Artikel über Krankheit auf Reisen. Sowas gehört immerhin auch in ein Tagebuch, und es kann ja nicht immer alles rosa und sonnig sein. Da wir auf Hawaii durchweg mit bestem Wetter (sprich, Sonnenschein und 28 Grad aufwärts) gesegnet waren, hat mich das trübe, kühle Herbstwetter in Japan richtig erwischt – gepaart mit meiner Abneigung zu warmen Klamotten eine gefährliche Mischung. “Nee, brauch keine Jacke”, höre ich mich in Erinnerung an vorgestern Abend noch sagen, als Marcel meinte, es sei aber schon kühl jetzt abends. “Hat doch 15 Grad, da kann man im Pullover!” (An dieser Stelle: Kein Schreibfehler. Manchmal spare ich mir meiner Meinung nach überflüssige Verben, und das “anziehen” kann man phraseologisch ersetzen, finde ich. Nur, falls sich in Zukunft jemand wundert.)

Auch in Japan ist der Herbst kalt und diesig: Hier Osaka im bunten Gewand, aber mit kühlen Temperaturen. Jacke nicht vergessen!

Auch in Japan ist der Herbst kalt und diesig: Hier Osaka im bunten Gewand, aber mit kühlen Temperaturen. Jacke nicht vergessen!

Natürlich hatte Marcel recht, und ich bekam die Rechnung für meinen Trotz genau einen Tag später, indem ich mit Halsschmerzen aufwachte. Na klasse, dachte ich noch bevor ich die Augen aufschlug, das hat mir gerade noch gefehlt. Ist jetzt überhaupt nicht der Zeitpunkt für eine Erkältung. Blöder Satz eigentlich, als würde man Husten, Schnupfen, Halsweh oder gar eine Kombi jemals herzlich willkommen heißen – selbstverständlich ist man auch zuhause entnervt, wenn die Grippeviren durch die U-Bahnen und Busse schleudern, aber auf unserer Weltreise hätte ich trotzdem gerne darauf verzichtet. Hilft ja aber alles nichts: Ich konzentriere mich darauf, die Symptome so gut wie möglich zu bekämpfen. Wie kriegt man eine Erkältung schnellstmöglich los? Ein bisschen was habe ich mit Marcels Hilfe probiert.

Ingwer-Tee, der richtig brennt

Die normale Dosis hilft bei mir leider nicht mehr, dazu bin ich zu abgehärtet – ich trinke regelmäßig und häufig Ingwer-Tee, sodass mein Körper nur spöttisch über den Versuch lacht, mit einem einzigen Teebeutel Antikörper zu bekämpfen. “Pff. Versuch mal drei oder so. Das muss richtig reinhauen”, bemerkt Marcel und hält mir drei der etwa 20 Teebeutel, die wir seit Indonesien vor vier Monaten konsequent mit auf Reisen nehmen, vors Gesicht. “Wird eh Zeit, dass wir das Zeug mal loswerden.” Recht hat er. Andere Länder haben auch schöne Tees. Gesagt, getan und ich kippe die trübe Brühe in einem Zug herunter. Fehler, erstens heiß, zweitens scharf. Nach kurzer Ohnmacht macht sich jedoch sofort eine Wirkung bemerkbar: Durch die Schärfe des konzentrierten Ingwers und die Wärme des Tees fällt mir das Schlucken schon viel leichter und ich meine, die Stimme krächzt weniger reibeisig.

Lange Kleidung – inklusive warmer Socken – auch nachts

Mein absoluter Horror: Voll bekleidet unter eine Daunendecke schlüpfen. “Hmpf” lautet deshalb mein innerer Monolog, als ich versuche, Online Gegenbeweise für die Wirksamkeit wärmender Kleidung bei einer Erkältung zu finden. Natürlich finde ich nichts, die meisten Menschen da draußen sind vernünftig. Immerhin heißt es, man solle die Zimmertemperatur dennoch kühl halten, da dem Körper durch die gesenkte Temperatur vermittelt wird, dass es nun an der Zeit fürs Bett ist – nachts ist es eben naturgemäß kühler, als tagsüber. Immerhin. Ich gebe mich mit dem kleinen Finger, den man mir hinhält, zufrieden, senke die Temperatur auf lauschige 19 Grad und lege mich im langen Jogginganzug plus Socken ins Bett.

Warme Socken, Tag und Nacht, steigern die Chancen auf Genesung massiv.

Warme Socken, Tag und Nacht, steigern die Chancen auf Genesung massiv.

Fazit am nächsten Morgen: Besser. Keine Halsschmerzen mehr, doch der Schnupfen hält sich hartnäckig und scheucht mich auch heute unverhältnismäßig früh (6:45) aus dem Bett. Hat jemand eigentlich das unglaublich geistreiche Titelbild dieses Blog-Eintrages gemerkt? Falls nein, bitte nachschauen. Die gewonnene Stunde Zeit habe ich dazu genutzt, kniend auf dem Boden rutschend dieses Foto zu schießen, um meinem heutigen Beitrag einen authentischen Start zu verleihen. Passend zur Location habe ich es geschafft, einen Bonsai mit aufs Bild zu quetschen, um ein bisschen Pfiff in die traurige Tassen-Landschaft zu bringen. Mit dem literweise verschütteten Teewasser habe ich im Anschluss ein kleines Handtuch getränkt und es vor der Lüftung aufgehängt. Soll dabei helfen, das Zimmer feucht zu halten – danke an den unbekannten Online-Arzt für den wunderbaren Tipp!

Wenn man nichts wichtiges beizutragen hat: Still sein

An sich kein Problem für normale Menschen, aber – ich habe immer etwas beizutragen. Nicht unbedingt etwas wichtiges, aber eben etwas. Marcel, der mir bei meiner Recherche (Google-Anfrage: KRANK SCHNELL GESUND WERDEN WIE??? HILFE BRAUCHE TIPPS) über die Schulter schaut, atmet bei diesem Tipp erleichtert aus und nickt heftig. “Stimmt, vielleicht hilft’s ja wirklich, wenn du mal ein bisschen die Stimme schonst und… nicht redest”, meldet er sich das erste Mal zu Wort und schaut mich vorsichtig an. Ich kneife die Augen zusammen, wäge ab und gebe mich geschlagen. “Hhhhhhh”, krächze ich zustimmend und setze mich matt auf einen Stuhl. Ich versuch’s mal. Nachtrag: Es ist wahnsinnig anstrengend, wenn man so viele wichtige Beiträge zu unterschiedlichsten Themen auf der Zunge hat.

Zu guter Letzt: Nasendusche für freie(re) Nebenhöhlen

Sätze, die man von seinem Freund – oder generell: von wirklich niemandem – hören will: “Willst du vielleicht mal eine Nasendusche ausprobieren?” Marcel winkt mir in einem Convenience Store mit einem knallgelben Gegenstand, aus dem ein monströser Aufsatz thront, zu. Ich blinzle irritiert. Was? “Was?”, frage ich und gehe vorsichtshalber ein paar Schritte zurück. “Könnte helfen, ist wie Nasenspray nur gesünder. “, sagt Marcel und studiert die Anleitung. “Ist wohl auch ganz einfach: Du sprühst das  ein paar Sekunden ins eine Nasenloch, legst den Kopf in den Nacken, hältst dabei das Nasenloch mit dem Salzwasser zu und dann… schnäuzt du das Zeug aus dem anderen Nasenloch richtig raus.” Kann mir schöneres vorstellen. Da ich aber seit Stunden durch den Mund atme und dabei klinge wie Darth Vader zu seinen schlimmsten Zeiten, zucke ich resigniert mit den Schultern und strecke die Hand aus. “Ja, gib her”, sage ich, strecke die Hand nach den unförmigen Gegenstand aus und gehe mit hängenden Schultern zur Kasse.  Zurück im Badezimmer stopfe ich mir den Aufsatz in die Nase. Nicht lange nachdenken, einfach machen. Drei Sekunden später rinnt mir Salzwasser die Kehle runter, ich huste und hänge keuchend über dem Waschbecken. Nächster Versuch, diesmal klappt es ein bisschen besser und tatsächlich – es funktioniert. Langsam aber sicher habe ich ein ordentliches Portfolio an Tipps und Tricks, wie man eine lästige Erkältung loswird beisammen. Als ungeduldiger Mensch gefällt mir daran nur eines nicht: Der Teil, in dem man Abwarten muss. Ich übe noch.

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