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Amerikas Nationalparks im Westen Zion

Amerika ist nicht nur seiner vibrierenden Metropolen, sondern auch der vielfältigen und abwechslungsreichen Natur wegen ein wirkliches Highlight auf jeder Reise. Die Vereinigten Staaten zählen aktuell (Stand 2019) insgesamt 61 offizielle Parks, die sich auf eine Fläche von insgesamt rund 210.000 Quadratkilometer Natur verteilen. Erlangt ein Stück Natur den Titel “Nationalpark”, so steht der Schutz der dortigen Artenvielfalt, geologischen und biologischen Ressourcen im Vordergrund. Die Bebauung, Jagden und weitere Maßnahmen, welche die Natur und Tierwelt bedrohen würde, sind hier verboten oder nur bedingt erlaubt.

Dünen im Death Valley, Amerika

Dünen bei Sonnenuntergang im Death Valley.

Amerikanische Nationalparks und ihre Landschaft

Die einzelnen Nationalparks unterscheiden sich, je nach Standort, stark. Während du in Alaska, South Carolina oder anderen touristisch bisher nicht ganz so intensiv erschlossenen Gebieten Amerikas abgelegene Parks mit Wildnischarakter findest, können Besucher-Lieblinge wie der Grand Canyon in Arizona oder Yosemite in Zentralkalifornien eher erschreckend wirken: Hier drängen sich dichte Menschenmassen in Pulken über die Plattformen und Aussichtsbuchten. Die Natur und deren Erscheinung scheint hier in den Hintergrund zu rücken, während das perfekte Instagram-Foto zum Hauptziel des Ausfluges wird. Manche Besucher sehen die Parks lediglich durch die Linse ihrer Kameras, wo ein Großteil der natürlichen Schönheit jedoch nicht erkennbar ist.

Warst du überhaupt dort, wenn du kein Foto davon hast? Eine Hommage an das spontane Reisen

Um sämtliche Nationalparks in den Vereinigten Staaten zu bereisen, müsste man eine ganze Menge Zeit mitbringen. Viele Nationalparks liegen relativ eng beieinander, so beispielsweise im westlichen US-Bundesstaat Arizona. Dort – mit Überschneidungen zu den angrenzen Bundesländern Utah, Kalifornien und Nevada – befinden sich gleich mehrere Nationalparks, nämlich Death Valley, der Grand Canyon und Joshua Tree Nationalpark. Sie alle unterscheiden sich in ihrer Vegetation, Landschaft und ihrem Erscheinungsbild, weisen aber ein eher trockenes Wüstenklima auf. Den Weg zu den einzelnen Parks säumen weitere Sehenswürdigkeiten und (Bundes-)Erholungsgebiete, wie beispielsweise das aus Filmen bekannte Monument Valley, der Red Rock State Park oder auch die Mojave-Wüste, die eventuell den Hintergrund deines Laptops ziert. Viele der Nationalparks – plus über 2.000 Erholungsgebiete kannst du innerhalb eines Jahres für wenig Geld besuchen. Hierfür benötigst du einen Pass mit dem malerischen Titel “America the Beautiful”, den du ganz einfach an einem Nationalpark-Eingang erwerben kannst. Der Pass gilt pro Auto, kostet dich einmalig etwa 80 US-Dollar und lohnt sich – je nachdem, wie viele Parks du besuchen möchtest, enorm. Ein Tag im Grand Canyon und vielen weiteren Nationalparks kostet dich beispielsweise schon 35 US-Dollar, womit sich der Jahrespass schon ab drei Nationalparks bezahlt macht.

Die schönsten Nationalparks und Erholungsgebiete in und um Arizona.

Zion National Park, Utah

Atemberaubende Aussichten in die Schluchten von Zion Nationalpark, Utah.

Atemberaubende Aussichten von Angel’s Landing Point in die Schluchten von Zion Nationalpark, Utah.

Der Zion National Park in Utah besitzt einen ganz besonderen Charme. Fährt man durch die Pforten des Eintrittshäuschens eröffnet sich Besuchern eine Welt wie aus “In einem Land vor unserer Zeit”: Gewaltige, spärlich bewachsene Berge thronen über einem tiefen Tal, durch das sich ein an manchen Stellen breit und tosender, an anderen Stellen nur als Rinnsal erkennbarer, Fluss zieht. Naturphänomene, die sich zu einer schluchtenreichen Landschaft formieren und einen atemberaubenden Anblick bieten, der einen in ein anderes Zeitalter zu versetzen scheint. Der Zion Nationalpark befindet sich im südwestlichen Utah an der Grenze zu Arizona und ist seit 1919 offiziell Nationalpark der Vereinigten Staaten. Das Wort “Zion” selbst ist übrigens Hebräisch und bedeutet übersetzt so viel wie “Zufluchtsort” oder “Heiligtum”. Im Jahr 1937 wurde der Zion Canyon um den Kolob Canyon erweitert. Sie beide zählen zu den bekanntesten Canyons der schluchtenreichen Landschaft des Nationalparks und sind aus mehr als 170 Millionen Jahre altem, bräunlichen Sandstein entstanden. Zion Nationalpark grenzt an drei besondere Gebiete an: Das Colorado-Plateau, den Great Basin sowie die Mojave-Wüste. Durch seine spezielle geografische Lage bietet der Naturpark Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten, die zum enormen Artenreichtum innerhalb des Parks beitragen. Besucher sollten sich besonders die aufregende Wanderung zum “Angels Landing” nicht entgehen lassen: Hier genießt man atemberaubende Aussichten direkt in das Tal. Außerdem beliebt sind die Emerald Pools sowie der Kolob Arch, es gibt aber viele weitere Wanderungen, die man an einem oder mehreren Tagen im Park unternehmen kann. Jede davon ist individuell und absolut sehenswert.

Grand Canyon Nationalpark, Arizona

Durch seine einzigartigen Kombinationen aus geologischen Erosionsformen und Farben erlangte der Grand Canyon Nationalpark im nordwestlichen Arizona internationale Bekanntheit. Über mehrere Millionen abgelagerte Sedimentschichten zieren eine Schlucht, die 277 Flussmeilen (umgerechnet etwa 446 Kilometer) lang, bis zu 29 Kilometer breit und 1,6 Kilometer tief ist. Die Schlucht des Colorado River wird in vielen Quellen als “Weltwunder” bezeichnet, 1979 erklärte die UNESCO den Grand Canyon, der im Februar 2019 sein 100-jähriges Bestehen feierte, zum Weltkulturerbe.

Die unzähligen, mehrere Jahrmillionen alten Sediment-Schichten des gewaltigen Grand Canyon.

Die unzähligen, mehrere Jahrmillionen alten Sediment-Schichten des gewaltigen Grand Canyon.

Steht man am Rande einer Klippe und blickt in die immensen Schluchten von gewaltigem Ausmaß, fühlt man sich auf einmal ganz klein und braucht erstmal einen kurzen Moment, um sich der unglaublichen Kraft der Natur bewusst zu werden. Trotz der horrenden Menschenmassen, die sich auf die Aussichts-Plattformen drängen, strahlt der Canyon eine gewisse Ruhe aus. Den Foto-Touristen kannst du ganz einfach aus dem Weg gehen, indem du nicht (nur) die Instagram-Tour – tatsächlich wird sie als genau solche ausgeschrieben – machst, sondern den kleinen Wanderweg gehst, der dich an der Außenseite der Schlucht entlang zu entlegeneren Aussichten bringt. Bereits wenige Meter zu Fuß reichen, um dem Trubel zu entgehen, die Wanderwege sind verlassen und ruhig.

Bei einem Besuch im Jahr 1903 sagte Theodor Roosevelt, der damalige Präsident der USA:

Der Grand Canyon erfüllt mich mit Ehrfurcht. Er ist unvergleichlich - unbeschreiblich [...]

und hat damit absolut Recht (Quelle).

Monument Valley, Colorado Plateau, Utah

Das Monument Valley, oder wie die Navajo sagen würden: Tsé Bei’ Ndzisgaii, was soviel wie “Tal der Felsen” bedeutet, ist eine Region des Colorade-Plateaus, die durch die Ansammlung riesiger Sandsteinberge charakterisiert ist und sich an der Grenze zwischen Arizona und Utah befindet. Das Tal liegt auf dem Territorium des Navajo Nation Reservats und wird vom Stamm der Navajo verwaltet. Aus diesem Grund ist der Eintritt zu diesem Park auch nicht über den America the Beautiful-Pass gedeckelt, ist mit 10 Euro pro Auto aber dennoch erschwinglich.

Seit den 30er Jahren ist das beeindruckende Monument Valley in zahlreichen Film- und Fernsehprodukten präsent, unter anderem Regisseur John Ford nutzte das Valley als Drehort für einige seiner bekanntesten Filme, die den Westen Amerikas behandeln.

Eine Landschaft aus rotem Sandstein: Monument Valley.

Eine überwältigende Landschaft geprägt von Bergen aus rotem Sandstein: Monument Valley.

Auch außerhalb des Fernseh-Business erfreut sich das Monument Valley mit seinen riesigen Steinblöcken, die sich auf 13 Quadratkilometer verteilen, großer Beliebtheit. Die größte der ikonischen Felsformationen aus Sandstein liegt 300 Meter über dem Talboden. Das Valley ist nur mit dem eigenen Auto oder durch geführte Touren erreichbar und führt über eine sogenannte “Dirt Road”; eine nicht geteerte und nur spärlich ausgebaute, staubige und gewundene Straße, auf der zu fahren einem aber durchaus das Gefühl gibt, wirklich im Westen Amerikas unterwegs zu sein. Als echter Tipp geht das Valley zwar nicht mehr durch, dennoch tummeln sich hier noch vergleichsweise wenige Besucher durch die engen Straßen, was den Park angenehm zu besichtigen macht.

Death Valley National Park, Nevada/Kalifornien

Einer der tiefsten Punkt der Erde, höchste je gemessene Temperatur seit Geschichte der Wetteraufzeichnungen, Sanddünen und blanker, staubiger Stein: Das Death Valley überspannt die Grenze zwischen Kalifornien und Nevada östlich der Sierra Nevada. In einer Grenzzone zwischen dem enorm trockenen Great Basin sowie den Mojave-Wüsten gelegen, schützt der Park den nordwestlichen Teil der Mojave-Wüste und ihre vielfältige Fauna, die aus Salzwiesen, Sanddünen, Ödländern, Schluchten, Bergen und Tälern besteht. Das Death Valley ist nicht nur der größte Nationalpark ein den angrenzen Vereinigten Staaten, sondern auch der heißeste, trockenste und niedrigste aller Parks in den USA. Im Badwater Basin befindet sich, mit einer Tiefe von umgerechnet knapp 86 Metern unter dem Meeresspiegel, der zweitniedrigste Punkt der westlichen Hemisphäre. Man könnte meinen, in dieser Ödnis keinerlei Pflanzen oder Tiere anzutreffen, doch tatsächlich gibt es Arten, die sich an die rauen klimatischen Wüstenverhältnisse angepasst haben, darunter Kojoten und bestimmte Schafarten, sogar eine Fischart aus früheren, feuchteren Zeiten findet man hier heute noch – den Welpenfisch.

Eine karge Landschaft mit einer riesigen Salzkruste auf den pflanzenlosen Bergen des Death Valley.

Eine karge Landschaft mit einer riesigen Salzkruste auf den pflanzenlosen Bergen des Death Valley.

Eine Fahrt durch das heiße Death Valley ist ein einzigartiges Erlebnis. Schneeweise, von Salz bedeckte Steinberge, kilometerweite Ödnis, Salzteppiche und bunt gefärbte Felsen, die man übersetzt “Künstler-Palette” genannt hat, prägen den Weg. Die Farben im Stein entstehen durch die Oxidation der im Boden vorkommenden Metalle und Elemente und hebt insbesondere die Töne Lila, Blau und Grün heraus. Die ältesten Gesteine sind mindestens 1,7 Milliarden Jahre alt – unglaublich beeindruckend. Wenn du Zeit und ein Händchen für Fotografie hast, eignet sich das Death Valley übrigens hervorragend für Aufnahmen der Milchstraße: Da es hier Abschnittsweise keine einzige Lichtquelle gibt und sich Besucher aufgrund der Größe des Parks gut über das gesamte Areal verteilen, herrschen hier ideale Bedingungen für faszinierende Nachtaufnahmen des Sternenhimmels.

Mojave Wüste, Kalifornien und Nevada

Die ikonischen Sanddünen der Mojave-Wüste

Sand in der Wüste: Die ikonischen Sanddünen der Mojave-Wüste

Die Mojave-Wüste ist eine sogenannte Regenschattenwüste im südöstlichen Kalifornien beziehungsweise südlichen Nevada und gilt offiziell als die trockenste Wüste in ganz Nordamerika. Falls du ein Macbook besitzt, dann hast du das Bild einer der Dünen letztes Jahr mit dem MacOS 11.14 Update als Hintergrundbild gehabt. Die Mojave-Wüste wird im Norden von der Great Basin Wüste und im Süden sowie Osten von der Sonora-Wüste begrenzt. Die Mojave Wüste ist eine der eher unbekannten Gebiete in den USA und entsprechend wie leer gefegt, vor allem zur Mittagszeit begegnest du hier bei deiner Durchfahrt unter Umständen keiner Menschenseele – und das für mehrere Stunden. Über einen Großteil des Areals verteilt sich hier und da getrocknetes Lava-Gestein, die sich an einer Stelle sogar in einem sogenannten “Lavatunnel” äußert. Ein solcher Tunnel entsteht durch die jahrelange Abtragung von Gestein durch Winde und Sand, sodass man in einer Art unterirdischer Höhle steht. Durch Auslassungen am oberen Höhlenrand fällt Licht in die Höhle und sorgt für ein atemberaubendes Lichtspiel, noch verstärkt durch kleine Staubpartikel, die durch die Luft wirbeln und der Szene etwas mystisches verleiht.

Joshua Tree National Park, Kalifornien

Lichtspiel im spärlich bewachsenen Joshua Tree Nationalpark.

Lichtspiel im spärlich bewachsenen Joshua Tree Nationalpark.

Zwei verschiedene Wüstenökosysteme, darunter das eben beschriebene Mojave und der Colorado, kommen im Joshua Tree National Park zusammen. Eine faszinierende Vielfalt von Pflanzen, vor allem Kakteengewächse und Wüstensträucher, und Tieren fühlt sich in diesem Teil des Landes, das von starken Winden und gelegentlichen Regenfluten geprägt ist, zuhause. Der Nationalpark im Südosten Kaliforniens wurde nach den maßgeblich in der Mojave-Wüste beheimateten “Joshua Trees” ( auch Yucca brevifola) benannt. Da sich Joshua Tree aus zwei ganz eigenen Wüstenökosystemen zusammensetzt, herrschen hier unterschiedliche klimatische Bedingungen, mit dementsprechend verschiedenartigen natürlichen und tierischen Bewohnern. In der höher gelegenen Mojave-Wüste findest du eine Vielzahl der Josua-Bäume, sowie hügelige Formationen aus nacktem, blankem Stein. Die Sommer hier sind heiß, die Winter kalt bis frostig. Die niedriger gelegene Colorado-Wüste ist vor allem für seine ikonischen Kakteenwälder bekannt, außerdem gibt es hier sandige Wiesen und Dünen.

Die genannten Erholungsgebiete und Nationalparks sind nur ein ganz kleiner Auszug der vielen traumhaften und atemberaubenden Nationalparks, die du in den Vereinigten Staaten besuchen kannst. Jeder der Parks hat seinen ganz eigenen Charme, fesselt dich auf seine ganz eigene Weise und beheimatet individuelle Pflanzen- und Tierarten.

 

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