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Osaka nach Kyoto, die kulturelle, geschichtliche ehemalige Hauptstadt Japans

Nur 50 Minuten dauert es, um mit dem Zug von Zentral-Osaka nach Kyoto zu fahren. Wer bei dieser Stadt (wie ich) erstmal an einsame Straßen und Gässchen denkt, durch deren Tempel und Schreine Geishas und Zen-Meister schreiten, der hat sich geschnitten: In der einstigen Hauptstadt Japans leben knapp 1,5 Millionen Einwohner, dazu kommen noch ein ganzer Haufen Touristen, und voll sind die – übrigens sehr breiten – Straßen. Hin und wieder zwängt sich hier und dort eine traditionell gekleidete Geisha mit Begleitung durch die Menschenmassen, doch die bunten Gewänder sieht man hier im Zentrum Kyotos eher selten. Auf den ersten Blick eine ganz normale, japanische Großstadt, die in aktueller Herbstverkleidung sehr hübsch anzusehen ist, aber sich strukturell ansonsten nicht groß von einer anderen Metropole unterscheidet. Das wird sich natürlich ändern, sobald wie das auf Google Maps rot als “Downtown” markierte Areal verlassen und uns aufmachen, die entlegeneren Winkel der Stadt sowie das vielversprechende Umland zu entdecken.

Was uns hier zum ersten Mal aktiv auffällt: Die recht eintönige, etwas deprimierende Architektur der Gebäude. Historische sowie moderne Gebäude sind in gedämpftem Grau oder einer Farbe, die mich stark an Taxi-Gelb erinnert, gehalten, was auch dem modernsten Neubau einen abgenutzten Anschein verleiht. Über Geschmäcker lässt sich ja bekanntlich streiten, und tatsächlich stechen auf diese Weise die zinnoberfarbenen Tempel und Torii – Eingangstore eines Schreins in Form eines Tors mit zwei Querbalken – besonders ins Auge.

Kyoto zeigt sich im schönsten Herbstgewand, hier über einem Boot, das in einem Seitenarm des Kamo River liegt.

Kyoto zeigt sich im schönsten Herbstgewand, hier über einem Boot, das in einem Seitenarm des Kamo River liegt.

Heute kamen wir leider nicht mehr dazu, uns auf den Weg zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten in und um die Präfektur zu machen und genießen morgen einfach mal einen Tag ohne spektakuläre Ereignisse. Muss auch mal sein. Für die kommenden beiden Tage, die wir noch in Kyoto sind, stehen jedoch allerlei geschichtliche und kulturell wertvolle Tempelanlagen, Schreine, Pilgerwege und – darauf freue ich mich schon ganz besonders – der Bambuswald Arashiyama mit seinen mehrere zehn meterhohen, dürren Bambusstangen auf der To-Do-Liste – wobei wir es hier so halten, wie immer: alles kann, nichts muss. Aber manches muss dann eben doch mehr als anderes, und einige Wünsche möchten wir uns auch in Kyoto erfüllen. Um uns die Überraschung auf die Schönheit und Einzigartigkeit der Gebäude und Anlagen, die uns sicher erwarten, nicht zu verderben, gehen wir auf Nummer sicher und vermeiden jegliches Googeln und zu viele Vorab-Informationen. Wie wir bereits vor einigen Monaten in Kanada gelernt haben, ist man viel positiver überrascht, wenn man die Dinge einfach auf sich zukommen lässt. Macht nicht nur glücklicher, sondern sorgt auch viel eher für einen echten Wow-Moment statt der üblichen Desillusionierung, wenn das Wetter nicht passt oder eine Menschentraube vor dem Ort steht, der auf den Fotos von anderen Photoshop-Künstlern absolut verwaist aussieht.

Insgesamt warten in Kyoto über 1.600 Tempel, 400 Shintō-Schreine und herrliche Natur auf uns, vor allem wenn man bedenkt, dass letztere aktuell mit den schönsten Gelb-, Orange- und Rottönen aufwartet. Alle davon schaffen wir in unseren geplanten zwei Tagen wohl nicht, wir geben aber unser bestes.

 

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