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Japan, Osaka, Umeda, Namba, Weltreise

Guten Morgen aus Osaka! Ich bin ein bisschen aufgeregt, das hier wird der erste Beitrag auf unserem Blog. Nach langem Überlegen – will ich wirklich einen Blog? Ist es nicht total anstrengend, jeden Tag etwas zu schreiben? Interessiert das überhaupt jemanden? – dachten wir uns: Wird Zeit für weniger “zögern” und mehr “in die Tat umsetzen”. Und hier ist er: Der erste Eintrag!

“Sag mal ist es normal, dass hier keiner lacht?”

In Osaka, Japan sind wir insgesamt für 11 Tage, eine ziemlich lange Zeit wenn man bedenkt, dass wir bereits das zweite Mal in der Stadt sind. Unser Aufenthalt teilt sich in zwei Zeitspannen: Vier Tage Osaka, kurze Unterbrechung für einen viertägigen Aufenthalt in Kyoto, danach erneut sieben Tage. Die ersten vier Tage verbringen wir in der Nähe von Umeda, dem Business-Distrikt Osakas, die letzten sieben Tage in Namba, dem Szene-Viertel (und Touristen-Epizentrum. Dennoch schön). Wie das in Stadtvierteln mit Hauptfokus auf wirtschaftlichen Wachstum, Finanzen und Arbeitskraft so ist, mangelt es in und um Umeda ein bisschen an Authentizität. Wobei, das stimmt nicht so ganz, man müsste es eigentlich anders ausdrücken: Es mangelt an dem, was wir in Europa als Authentizität definieren würden. Freude, Spaß am Leben, eine gute Work-Life-Balance, ein ausgewogenes Verhältnis aus Arbeit und Freizeit. Schon als wir das erste Mal in Japan waren meinte Marcel irgendwann völlig unvermittelt: “Sag mal ist es normal, dass hier keiner lacht?”. Und tatsächlich: Lautes, schallendes Gelächter fehlt hier irgendwie, man freut sich hinter geschlossenen Türen oder zuckt blass mit dem Mundwinkel, um seinem Amüsement Ausdruck zu verleihen. Aber das ist nicht immer und überall so.

Herbstfarben in Osaka, irgendwo zwischen Umeda und Namba.

Herbstfarben in Osaka, irgendwo zwischen Umeda und Namba.

 

Vorwiegend ernste Gesichter findet man auf dem Weg nach Umeda in's Business-District - zumindest an den Wochentagen.

Vorwiegend ernste Gesichter findet man auf dem Weg nach Umeda in’s Business-District – zumindest an den Wochentagen.

Aus Langeweile und auch ein bisschen aus Frust beschlossen wir, abends nach Namba zu fahren. Ich weiß, wir haben dort noch ganze sieben Tage, aber trotzdem: Warum potenziellen Spaß aufschieben, wenn man ihn auch sofort haben könnte? Eben. Zugegeben, Marcel musste mich ein bisschen überreden weil ich die Idee laut eigener Aussage erstmal “völlig bescheuert” fand, aber ein paar Minuten später saßen wir bereits in der Bahn. Gott sei Dank! So blöd war die Idee letztendlich nämlich gar nicht, im Gegenteil. Kaum hatten wir uns die endlosen Treppen der U-Bahn nach Namba hochgequält – wie erkennt man in Japan einen Touristen? An der mangelnden Kondition, und ich würde mich nicht unbedingt als unsportlich bezeichnen – blendeten uns schrille Neon-Reklamen und blinkende Lichter. Die Geräuschkulisse in Namba ist vor allem nachts eine pulsierende Mischung aus moderner und traditioneller Musik, Gesprächsfetzen aus unzähligen Restaurants, Sake-Bars, Spielhallen und – lautem Gelächter. Tatsächlich. “Also man lacht hier schon”, meinte ich zu Marcel, “man muss halt nur wissen, wo oder wann.”

Im Nachhinein war es eine geniale Idee, nach Namba zu fahren, obwohl wir hier noch eine geschlagene Woche Zeit haben. Was wir davon hatten? Einen schönen Abend, plus wiederhergestellte Vorfreude auf die kommende Zeit in Osaka.

Tagsüber Arbeiten, Abends mit dem Chef (und Pikachu) in die Bar

Wenige Minuten später: Namba ist bunt, laut, alles blinkt und leuchtet, Menschen überall. Krasse Kontraste. Mir persönlich gefällt die laute, fast rebellische Seite besser.

Wenige Minuten später: Namba ist bunt, laut, alles blinkt und leuchtet, Menschen überall. Krasse Kontraste. Mir persönlich gefällt die laute, fast rebellische Seite besser.

Vielleicht klingt es ein bisschen hart, von “zwei Welten” zu sprechen. Die Menschen, die morgens mit ernsten Mienen in graue Bürogebäude laufen und abends betrunken durch Namba torkeln, sind oft die Gleichen. Eigentlich ist es eher ein Unterschied von Tag und Nacht, von Arbeitskultur und Freizeit, Szene, zwei Extreme, die in Japan jeweils stärker ausgelebt werden, als in Europa. Gestern in der Sake-Bar stieß eine Truppe Kollegen, genauer gesagt: Der Chef und etwa zehn Mitarbeiter, zu uns. Die Männer – alle in Anzug gekleidet und gerade (es war halb elf abends) aus dem Büro gekommen – tranken in Rekordzeit jeweils zwei, drei Getränke, ließen ein Bündel Geld auf dem Tisch zurück und verließen die Bar, nur um ein paar Meter weiter stehenzubleiben. Erstaunlich viele von ihnen – nämlich zwei – hatten etwas in ihren Aktenkoffern, das nach Plüschtier aussah und sich am Ende tatsächlich als Elmo (Sesamstraße) und Pikachu (Pokémon) herausstellte. Auf dem Weg zur Bahn sahen wir aus den Augenwinkeln gerade noch, wie der Pikachu-Mann seinem Kollegen volle Kanne ans Schienbein trat, woraufhin die Runde in schallendes Gelächter (Ja! Abends beziehungsweise in der richtigen Umgebung ist das erlaubt) ausbrach und der Chef ihm, anerkennend grinsend, auf die Schulter klopfte.

Man muss nicht alle Einzelheiten einer Kultur verstehen. Man sollte aber versuchen, sie zu respektieren und sich weitestgehend einzugliedern, um ein Land in all seiner Vielfalt zu genießen. Keine Frage, dass Marcel erstmal einen ordentlichen Tritt ans Schienbein bekommen hat.

 

 

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