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Der Pool des Parkroyal in Singapur mit vertikalem Garten

Singapur. Die südostasiatische Metropole südlich vor Malaysia gilt als Asiens Finanz- und Wirtschaftszentrum mit multikultureller Bevölkerung und entsprechend bunter Kultur. Über 5,6 Millionen Einwohner leben auf dem rund 720 Quadratkilometer großen Insel- und Stadtstaat, dem flächenmäßig kleinsten Staat Südostasiens von doch so enormer, globaler Bedeutung. Singapur selbst nennt sich, aufgrund der vielen Grünflächen im Stadtzentrum und darüber hinaus, “Stadt der Gärten”. Trotz des stetig wachsenden Stadtzentrums mit den für Business-Viertel großer Städte typischen, massiven Wolkenkratzern achtet Singapur auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Natur und Betonbauten. Wo es an horizontaler Fläche für Grünes mangelt, pflanzt man kaskadierend in die Vertikale oder begrünt Dächer.

Vertikale Begrünung des Parkroyal on Pickering Hotel Singapur

Das ikonische Parkroyal on Pickering Hotel erlangte durch seine überdurchschnittlich grüne Fassade internationale Bekanntheit.

Der Plan für 2013: Rund 80% aller Gebäude sollen grün sein

Auch Singapurs Regierung legt hohen Wert auf eine Balance zwischen Großstadt und Natur und steckt sich entsprechende Ziele. Bis 2030 sollen darum 80% aller Gebäude grün werden. Vor allem Luftkühlsysteme und Klimaanlagen treiben den Stromverbrauch von Privathäusern, Bürogebäuden oder Einkaufszentren enorm in die Höhe – lebenserleichternde Vorrichtungen, ohne die man die tropischen Temperaturen und extrem hohe Luftfeuchtigkeit kaum ertragen könnte, die aber rund 40-50% des Gesamtverbrauches eines Gebäudes ausmachen. Die Stromfresser möchte man auf lange Sicht durch sparsamere, doppelt isolierte Häuserfassaden ersetzen, mithilfe derer die direkte Sonneneinstrahlung erheblich gesenkt und der Gebrauch von Klimaanlagen entsprechend reduziert werden kann. Im Juni diesen Jahres bewilligte die United Overseas Bank (UOB) dem Start-Up Sunseap – ein lokales Unternehmen für erneuerbare Energien – eine Finanzierung von 43 Millionen Singapur-Dollar (das entspricht rund 28 Millionen Euro). Das Geld möchte das Unternehmen in Photovoltaik-Anlagen investieren, die auf Singapurs Dächern angebracht werden sollen, um Energie zu sparen und gleichzeitig die Treibhausgas-Emissionen um etwa 17,000 Tonnen pro Jahr zu reduzieren. Bereits wenige Monate zuvor, im April 2019, gewährte der niederländische Allfinanz-Dienstleister ING dem jungen Unternehmen ein Darlehen von 50 Millionen Singapur-Dollar (umgerechnet etwa 32,5 Millionen Euro), um ähnliche Photovoltaik-Projekte zu fördern. Auch öffentliche Institutionen, wie beispielsweise die Singapore Management University (SMU), schließen sich der Energiebewegung an: Der neue Anbau der Universität, genannt das “SMU-X” wird das erste energieneutrale Gebäude in der Stadtmitte sein. Das gelingt unter anderem mit Hilfe von Photovoltaik und passiver Verdrängungskühlung.

Botanischer Garten SIngapur

Eine einzige grüne Oase: Die Botanischen Gärten Singapur gehören zu den Artenreichsten der Welt. Der Zugang zu der 82 Hektar großen Grünfläche ist für Besucher kostenlos.

Immer mehr Gebäude erhalten neue, stromsparende Features. Auf dem Dach des vierzigstöckigen CapitaGreen Gebäudes beispielsweise thront ein roter, blütenförmiger Windfänger, mithilfe dessen kühle, frische Luft in das Luftkühlsystems des Gebäudes getrichtert wird. Das bedeutet weniger Arbeit für die Klimaanlage und damit weniger verbrauchte Energie, genauer gesagt eine Reduktion von rund 580.000kwh.

Energie sparen mit Dachgärten für Transportmittel

Sogar für die Busse, die auf Singapurs Straßen fahren, hat man sich etwas Grünes einfallen lassen: Im Rahmen des Projektes “Garden on the Move” (Garten in Bewegung) möchte man die Dächer von 10 SBS-Bussen versuchsweise mit Dachgärten ausstatten und über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten beobachten, ob und welche Auswirkungen die Pflanzen auf das Klima im Inneren des Busses haben. Primäres Ziel ist es, durch die Temperatursenkung einen niedrigeren Treibstoffverbrauch für die Luftkühlung zu erwirken.

Das umweltfreundliche Geheimnis hinter den „Gardens by the Bay“

Der 2012 eröffneten die Gardens by the Bay in South Bay. Auf einer 101 Hektar großen Fläche recken sich 25 bis 50 Meter hohe Kunst-Bäume in die Höhe. Um deren pinkfarbene Stahläste winden sich tropische Pflanzen, die hier einen Platz zum Gedeihen gefunden haben und das Bild der Naturanlage als vertikale Gärten perfektionieren. Besucher finden unter den sogenannten „Supertrees“ im Supertree Cove mittags ein schattiges Plätzchen, abends verwandelt sich die Gartenanlage zum Schauort eines immer wechselnden musikalischen Spektakels. Die winzigen Lichter, die in kunstvoller Kleinstarbeit in die Hightech-Stämme und -Äste eingelassen wurden, erwachen nachts zum Leben und bieten Zuschauern eine atemberaubende Lichtshow.

Lichtshow Gardens by the Bay Supertrees

Nachts erwachen die pinkfarbenen Äste und unzähligen Lichter an den Supertrees im Rahmen bunter Lichtshows zu neuem Leben.

Neben den Supertrees gibt es in den Gardens by the Bay den „Flower Dome“, unter dessen Glaskuppel sich Pflanzen auf einer 1,28 Hektar großen Fläche ausbreiten. Im Jahr 2015 wurde der “Flower Dome” als das größte Glasgewächshaus der Welt ins Guinnes-Buch der Rekorde aufgenommen. In dem milden, trockenen Klima gedeihen vor allem mediterrane Pflanzenarten und solche, die in halbtrockenen Klimaverhältnissen zu finden sind, wie beispielsweise Affenbrotbäume oder die chinesische Honigpalme. Im kleineren der insgesamt zwei Gewächshäuser, das auch “Cloud Forest” genannt wird und eine Fläche von rund 0,8 Hektar umfasst, wird eine tropenähnliche Vegetationszone nachgebildet. Besucher flanieren hier zwischen Orchideen- und Bromeliengewächsen und vielen anderen typischen Vertretern dieser Klimazone.

Singapurs Stadtverwaltung verfolgt mit den Gardens by the Bay maßgeblich ökologische Ziele. In erster Linie sind die Gärten mit ihren Supertrees nämlich ein raffiniertes Begrünungsprojekt: Die riesigen Bäume speichern Regenwasser und Sonnenenergie, die so zur Bewässerung der Pflanzen und Stromversorgung der Parkanlage dienen. Sowohl nach Regen als auch Sonne kann man in Singapur die Uhr stellen; beides gibt es hier im Überfluss. Die Regierung nutzt diesen klimatischen Umstand für umweltfreundliche Projekte, die als willkommener Nebeneffekt jährlich Millionen von Menschen in die asiatische Power-Metropole locken.

Ob Singapur seine grünen Ziele bis 2030 vollständig erreicht? Die Chancen stehen gut, da in dieser Stadt alle an einem Strang ziehen und ihren Teil zu einem grünen Singapur beitragen: Betreiber öffentlicher Transportmittel und Einkaufszentren, Hotelketten und sogar Eigentümer von Privatgebäuden arbeiten gemeinsam daran, die Stadt zu einem riesigen Garten zu transformieren. Der Countdown läuft: Es sind noch knapp zehn Jahre bis zum “Stichjahr” 2030.

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